Jun 24
Das Spiel im L.A. Noire Test war anders als die bisherigen Veröffentlichungen von Rockstar Games. Anders als gewohnt spielt man nicht den herum rennenden Outlaw, der bereit ist zu zerstören, zu stehlen und zu morden. Diesmal ist der Spieler ein Polizist. Ja richtig, und sogar ein guter. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, die gewalttätigen Straßen von Los Angeles im Jahr 1940 wiederherzustellen.

Was hat der Rockstar Epos laut L.A. Noire Test zu bieten?


Auch Inhaltlich war es im L.A. Noire Test nicht wie bei anderen Games. Sicher muss der Spieler nicht auf Verfolgungsjagden, Schießereien und moralische Entscheidungen verzichten. Allerdings ist das Tempo insgesamt langsamer und das mit einer Konsequenz, die in gewisser Weise einen meditativen Touch hat. Der Schwerpunkt liegt nicht auf Treffern oder unterliegt Zeitlimits, es geht viel mehr darum, die Gesichter seiner Gegenüber zu lesen und diese hinsichtlich Wahrheit oder Unwahrheit zu deuten.

Dank einer Technologie namens MotionScan machen die Charaktere den vollständigen Eindruck einer guten Gruppe von Schauspielern. Das bedeutet, dass man als Spieler jedes Zucken, jede Geste oder jede kleinste Gesichtsveränderung erkennt. Der Einsatz dieser Technik schafft es sehr gut, das Spiel weiter in die Richtung einer filmischen Umsetzung zu treiben und das ist nicht verkehrt. Weiter muss der Spieler immer aufmerksam sein. Es kann vorkommen, dass man oft in Gewohnheiten verfällt wie etwa auf sein Telefon schauen wenn gerade eine Sequenz läuft. Das lässt man allerdings schnell sein wenn man merkt, dass gerade diese Einspieler enorm wichtig sind. Die Dialoge sind weitaus weniger wichtig als die Gesichter der Charaktere, die viel mehr Aufschluss geben. Genau in diesem Punkt hat das Spiel im L.A. Noire Test geglänzt. Die Verhöre sind wie lange fesselnde Dialogszenen. Insgesamt bildet diese Stärke den Kern des Games.

Die Story


Bei der Polizei von Los Angeles ist der Spieler ein Detektiv. Das bedeutet, dass man Tatorte nach allen möglichen Hinweisen untersuchen muss. Befragt man Verdächtige, muss man denken wie ein Detektiv. Genau darin besteht eine Herausforderung des Spiels. Die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge ist oftmals sehr dünn. Auch wenn der Protagonist eines der besten Männer bei der Polizei ist, kommt es vor das man die Falschen beschuldigt oder Hinweise nicht richtig deutet. Das Resultat daraus ist, dass die Ermittlungen in eine falsche Richtung gehen.

Gameplay & Co im L.A. Noire Test


Verhört man einen Verdächtigen, sind alle Fragen in dem kleinen Notizblock notiert, dass der Protagonist Cole Phelps immer bei sich hat. Auf jede Frage folgt eine Antwort. Anhand dieser muss man beurteilen, ob man dem Verhörten glauben schenkt oder nicht. Liegt man richtig, kann man weitere Hinweise entschlüsseln. Liegt man allerdings falsch, werden die Ermittlungen umso schwerer. Umso länger man spielt, desto besser kann man gewisse Zeichen deuten. Die Möglichkeit, komplett zu scheitern ist nicht vorhanden. Der Ausgang eines jeden Gesprächs ist vielmehr ausschlaggebend dafür, wie die Ermittlungen verlaufen. Im L.A. Noire Test ist die Geschichte nicht abrupt abgebrochen, wenn man einen Mörder gestellt hat. Der Ablauf ändert sich, wenn ein Verdächtiger stirbt oder man einen entkommen lässt. Im letzteren Fall taucht dieser wieder im nächsten Kapitel auf, solange bis man als Spieler eine Wahl trifft.

Open World - Los Angeles 1940


Der Verlauf ist natürlich nicht strikt vorgegeben. L.A. Noire ist ein Open World Spiel. Man kann sich in der nachgebildeten Stadt von 1947 frei bewegen. So gibt es auch Nebenaufgaben. Nicht in dem Umfang wie etwa in GTA. Man muss immer bedenken, dass man ein Polizist ist. Dennoch gibt es 40 weitere Fälle, die man über den Polizeifunk übermittelt bekommt. Diese werden in Einzelmissionen dargestellt. So muss man etwa einen Bankraub stoppen oder das Versteck von Bösewichten ausfindig machen.

Ablenkung bietet auch das Auffinden von versteckten Orten oder anderen Gegenständen. Das bringt Extrapunkte. Diese bedeuten neue Ränge woraus weitere Kleidung oder ähnliches resultiert. Zu der damaligen Zeit konnte man den Rang bei der Polizei über die Kleidung bestimmen. Dieser Fakt wurde sehr gut umgesetzt. Auch wenn sich das Spiel wie ein Film darstellt, wird man oft daran erinnert, ein Game eingelegt zu haben. Das macht sich dadurch bemerkbar, dass unnötige Fenster aufspringen, die Informationen oder Statistiken liefern.

Es gibt Augenblicke, in denen verschiedene Handlungsstränge brillant an einem Punkt zusammenlaufen. Oft folgt die Geschichte allerdings demselben Schema. Es gibt insgesamt 21 Fälle, von denen viele oftmals eine Stunde dauern können. Dennoch erfährt man meist dasselbe Drama. Im L.A. Noire Test gab es auch Momente, in denen man wusste was auf einen zukommt. Man kommt zu einem Tatort, sucht nach Hinweisen und schaltet so neue Standorte in Los Angeles frei. Weiter wusste man, dass man im Nachhinein zu Fuß einen Verdächtigen verfolgen wird. Dieser wird anschließend verhört und verhaftet. In seltenen Fällen kann man die Bewegungen nicht steuern und hat so auch keine Kontrolle über das Endergebnis.

Was macht L.A. Noire als gutes PS3 Spiel aus?


Dennoch gibt es weitaus mehr gute Momente. Auch die gerade beschriebenen Szenen machen Spaß, sind nur nicht so eindrucksvoll. Es ist besonders die neue Technologie, die viel Gutes bereithält. Kennt jemand die Serie Lie To Me? Darin werden Verbrecher mittels verhaltenspsychologischer Methoden überführt. Ganz so weit geht L.A. Noire nicht, dennoch ist die Richtung ähnlich. Das Unbehagen eines Übeltäters hat auch immer ein bestimmtes Verhalten zu Grunde und das gilt es zu analysieren. Rein grafisch gibt es bessere Spiele. Aber irgendwie passt der Stil zum Inhalt und macht das Gesamtpaket wesentlich realistischer. Der Hybrid aus Action-Spiel und einem Krimi ist den Entwicklern gut gelungen. Wegen der detaillierten und menschlichen Gesichter liefert das Spiel eine mitreißende und emotionale Geschichte.

Es ist schwer, sich an Cole Phelps zu gewöhnen. Sein Hintergrund wirkt insgesamt etwas planlos, was es schwer macht sich vollständig auf ihn einzulassen. Zu Beginn gibt es einen allwissenden Erzähler, der irgendwann verschwindet und auch nicht mehr zurückkehrt. Der Protagonist hat eine Frau, über die er nie spricht bis es an sein Verhalten geht, dass teilweise von ihr und der gemeinsamen Beziehung geprägt ist. All das sind Dinge, die ein wenig unstimmig wirken.

Auch wenn es im L.A. Noire Test einige Schwierigkeiten gab, ist eine solche Umsetzung durchaus mutig und könnte ein neues Genre schaffen. Es gibt bekannte und neue Elemente, die allerdings nie zusammen gebraucht werden. In dem Punkt steckt auf jeden Fall noch Potential drin.

Ausblick & L.A. Noire Test Fazit


Ingesamt hat die Redaktion nach dem L.A. Noire Test eine ähnliche Meinung. Es ist ein wunderbares Spiel geworden, wenngleich es einige Probleme hat. Es gibt viele Fälle, die überaus interessant sind und von den Nebencharakteren komplettiert werden. Allerdings wird der sich aufbauende Spannungsbogen oft unterbrochen. Eine andere Umsetzung hätte sich bestimmt eindrucksvoller dargestellt. Ein Spiel wie dieses hat es bisher nicht gegeben. Rockstar hat den Mut aufgebracht und geht ein großes Risiko ein. Besonders deshalb bietet es in vielen Bereichen was Frisches und Neues. Die emotionalen Höhen wie etwa Heavy Rain kann L.A. Noire zwar nicht erreichen. Dennoch ist es eine gelungene Mischung aus Action und sehr spannendem Krimi.
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